Die 2. Generation: Hermann Otterbein jun.

Im Jahre 1985 kaufte Hermann Otterbein jun. das Betriebsgebäude mit dem Wohnhaus in Wuppertal Cronenberg, Schulweg 39. In den Betriebsräumen befand sich vorher die in Konkurs gegangene Fa. Hufschmidt, ein Messwerkzeug Hersteller. Der Kaufpreis war DM 430.000. Mit Hilfe einer Hypothek von der Stadtsparkasse und mit dem Aufbrauchen der eigenen Reserven wurden die Werkstatträume umgebaut. Eine neue Elektroanlage installiert. Die Decken wurden mit feuerhemmenden Platten abgehangen. In mancher Samstagsarbeit halfen die Gesellen, Lehrlinge und die Familie beim Ausbau mit. Freunde nahmen den Innenanstrich vor. Andere wiederum halfen beim Transport der Maschinen von der Friedrichstraße zum Schulweg. Am 31. Dezember 1985 war alles umgezogen. Mit einer zünftigen Sylvesterfeier, zu der alle treuen Helfer eingeladen waren, weihte man die neue Werkstatt ein.

Der Umzug hatte sich gelohnt. Hatten wir in der Friedrichstraße eine Werkstatt über drei Etagen, so lagen am Schulweg die Räume in einer Ebene. Vom Umsatz verzeichneten wir eine Steigerung von über 30.000,-, d.h. wir hatten in der Friedrichstraße immer eine Arbeitskraft im Treppenhaus stehen.

Im Jahre 1986 feierten wir in den neuen Räumen unser 50-jähriges Betriebsjubiläum. Viele Kollegen aus der Tischlerinnung Wuppertal ,dem Innungsverband Dortmund und der Handwerkskammer Düsseldorf waren unter den Gratulanten. Aber auch ehemalige Lehrlinge. So war der erste Lehrling nach dem Krieg, Heinz Götte, dessen Sohn zur Zeit bei uns in der Ausbildung war, unter den Gratulanten. Für uns alle war es ein unvergesslicher Tag.

Die Belegschaft bestand aus 5 Gesellen, 2 Auszubildende, 1 Praktikantin, 1 Bürokraft. Die Auftragslage war gut. In den neuen Räumen konnte man, nach und nach den Maschinenpark modernisieren und teilweise erneuern. Der Stundenlohn für Gesellen war DM 15,29. Das Urlaubsgeld betrug 45 % des Urlaubslohnes. Der Urlaub war auf 27 Tage gestiegen. Die Sonderzahlung im Dezember betrug 55 % des Monatslohnes. Der Stundenverrechnungssatz war auf DM 55,- gestiegen.

Die Ausbildungsvergütung stieg monatlich auf DM 413,- , 505,-  und 612,-. Das Urlaubsgeld betrug DM 352,- und die Sonderzahlung im Dezember DM 321,-. Die hohen Kosten erhöhten den Druck auf die Betriebe aber auch auf deren Mitarbeiter.

Die Auftragslage war in den späten 80er und in den frühen 90er Jahren gut. 70 % des Betriebsumsatzes wurde durch Restaurierungsarbeiten, 20% durch Handel und nur 10 % durch Neuanfertigungen erwirtschaftet.

Am 1.8.1990 begann Daniel Otterbein seine Ausbildung zum Tischler. Der Ausbildungsbetrieb war die Tischlerei Landsiedel in Wuppertal - Küllenhahn. Herr Thomas Landsiedel hatte in der Fa. Otterbein seine Lehre 1978 abgeschlossen. Nach dem zweiten Lehrjahr wechselte Daniel Otterbein in den elterlichen Betrieb, um das letzte Lehrjahr dort zu beenden. Am 24.6.1993 endete die Lehre mit der bestandenen Gesellenprüfung. Bis zum 30.7. 1995 war Daniel Otterbein im elterlichen Betrieb beschäftigt. Ab dem 1.8.1995 wechselte er in die, nach der Wiedervereinigung Deutschlands freigewordenen „Neuen Länder" nach Brandenburg, genauer nach Ratenow, um sich dort, in einer Schreinerei, die Innenausbau und Bautischlerarbeiten ausführte, weiter zu bilden.

Durch einen erheblichen Strukturwandel in der Luisenstraße und durch eine kräftige Mieterhöhung war der Laden dort nicht mehr zu halten.

Als man im Jahre 1981 in die Luisenstraße zog, waren in dem Quartier fünf Antiquitäten-Geschäfte , Kunstgewerbegeschäfte, Schmuck und Uhrenläden, Modegeschäfte und nur wenige Gaststätten. Jetzt jedoch machten sich die Gaststätten und Kneipen breit. Der Publikumsverkehr verlagerte sich auf die Nachtstunden. Für ein Einzelhandelsgeschäft tödlich. Am 31. März  1996 wurde das Geschäft geschlossen. Am 31.3.1997 kam Daniel Otterbein wieder zurück, um am 1.4.1997 die Meisterschule für Tischler im Tagesunterricht bei der Handwerkskammer Düsseldorf zu absolvieren.

Am 20.10.1997 verstarb der Gründer der Tischlerei Otterbein, Herr Hermann Otterbein sen..

Am 10.8.1998 legte Daniel Otterbein erfolgreich die Meisterprüfung ab. Das Meisterstück nahm an dem überregionalem Wettbewerb „Die Gute Form“ in Köln teil und erhielt eine Belobigung.

Ab dem 4. September 1998 studierte Daniel Otterbein an der Akademie des Handwerks auf Schloss Raesfeld, in der Fachrichtung Holz, um die Restauratorenprüfung abzulegen. Daniel Otterbein hatte sich als Projektarbeit eine Doppelschlägige-Nageltüre vorgenommen, die aus der Renaissance-Zeit stammte. Die Projektarbeit musste in gebundener Form zur Prüfung eingereicht werden. Am 24. September 2001 legte Daniel Otterbein erfolgreich die Restauratorenprüfung im Tischlerhandwerk ab.

Im Jahre 1999 - 2000 wurde in Deutschland der Euro eingeführt. Die gute alte Deutsche Mark ( DM ) gab es nicht mehr.

Während die Umsätze in 1999 sehr zufriedenstellend waren, steuerten wir 2000 in eine leichte Rezession. Es wurde Personal abgebaut. Die Beschäftigtenzahl fiel auf 1 Meister, 1 Geselle und 1 Auszubildender.

2002 legte der letzte Auszubildende von Hermann Otterbein jun. die Gesellenprüfung ab. Emanuel Haselmeier wurde als Innungsbester besonders geehrt und für den Wettbewerb „Die Gute Form" überregional ausgewählt. Leider konnte er nicht übernommen werden, da die Auftragslage nicht berauschend war.

Werkstatt Friedrichstraße 1982