Die 2. Generation: Hermann Otterbein jun.

Ab dem 1. Januar 1966 kaufte Hermann Otterbein jun. den Betrieb von seinem Vater. Der Kaufpreis wurde von einem Betriebsberater und Gutachter der Handwerkskammer Düsseldorf ermittelt und betrug DM 14.348,83. Das waren etwas mehr als zwei Nettojahreseinkommen von Hermann Otterbein jun.. Die Betriebskonten wurden auf den Stand Null gebracht. Ferner verpflichtete sich der neue Betriebsinhaber Hermann Otterbein sen. bis zum 65. Lebensjahr zu beschäftigen und mit einem Meisterlohn monatlich zu bezahlen. Das waren zehn Jahre. Im Betrieb waren zur damaligen Zeit: 2 Gesellen, 1 Beizer und Polierer, 2 Lehrlinge und 1 Meister tätig. Die Auftragslage war gut, so dass man das erste Jahr sehr gut überstand. Durch große Kirchenaufträge in der Laurentiuskirche. der Suitbertuskirche und in der Herz Jesu Kirche, konnte die Belegschaft aufgestockt werden.

Im Jahre 1968 beschäftigte die Fa. Otterbein 1 Meister, 8 Gesellen, 1 Hilfsarbeiter und 3 Lehrlinge. Ein kleines Ladenlokal in der Friedrichstraße Ecke Ludwigstraße wurde angemietet. Man verkaufte alte Kunst und Antiquitäten. 1968 war der Stundenlohn eines Gesellen auf DM 5,50 angestiegen, das ergab einen Monatslohn von DM  1.000,-, für Steuer und Sozialabgaben wurden 27 % abgehalten. Die Erziehhungsbeihilfe für Lehrlinge betrug DM 95,- , DM 105,- , DM115,-.

1976, mit dem Erreichen seines 65. Lebensjahres, schied Hermann Otterbein sen. aus.

Im Jahre 1981 wurde das Handelsgeschäft von der Friedrichstraße in die Luisenstraße 63 verlegt. Der Verkauf wurde von Frau Gabriele Otterbein betrieben. Das Handelsgeschäft lief sehr gut und brachte eine Menge neuer Aufträge für die Werkstatt. Hier wurde es langsam zu eng. Die Suche nach einem geeigneten Objekt gestaltete sich recht schwierig. Es mussten das Bauordnungsamt, das Gewerbeaufsichtsamt und die Feuerwehr unter einen Hut gebracht werden. Mindestens 6 Objekte wurden so den Ämtern vorgestellt und nach eingehender Prüfung verworfen. Eines Tages gab ein Prüfer den Rat doch einfach etwas zu kaufen und danach auf eine Prüfung seitens der Städtischen Behörde zu warten. Wörtlich sagte er : „Wenn wir alle zur gleichen Zeit erscheinen, leiden wir alle an einer Profilneurose.“

1980 stiegen die Löhne kräftig an. So verdiente ein Facharbeiter DM 11,31. Das entsprach einem Bruttomonatslohn von DM 2.150. Des Weiteren wurde schrittweise das 13. Monatsgehalt eingeführt und zwar mit einer 50 %tigen Zahlung des Bruttomonatslohnes zum 1. Dezember. Die Beitragssätze zur Sozialversicherung stiegen auf 37 %. Die Bezüge der Lehrlinge, die neuerdings Auszubildende hießen und in der Abkürzung Azubis - ein fürchterliches Wort - stiegen auf DM 237,- , 334,- und 394,-. Der Stundenverrechnungssatz lag bei DM 32,-.

Im Jahre 1980 restaurierte die Fa. Otterbein ein Fachwerkhaus von 1695. Dieses Haus stand im Zentrum von Wuppertal Cronenberg, An der Hütte 10, und ist eines der ältesten Häuser Cronenbergs. Die Zimmermanns-Konstruktion wurde im unteren Bereich ganz erneuert. Man verarbeitete 8 Kubikmeter Eichenholzbalken, die maßgenau von einem Sägewerk am Niederrhein geliefert wurden. Im Inneren des Hauses wurden neue Decken eingezogen. Der gesamte Innenausbau wurde von der Fa. Otterbein ausgeführt. Für eine Tischlerei eine Herausforderung.