Der Firmengründer: Hermann Otterbein sen.

Am 1.7. 1935 übernahm der Tischlermeister Hermann Otterbein ein Teilgewerbe der Firma Dietrich Siemers in Wuppertal - Elberfeld, Brillerstraße 35.

Die Fa. Siemers war eine Antiquitätenhandlung mit angegliederter Werkstatt. Diese Werkstatt übernahm Hermann Otterbein sen. mit einem Gesellen und einem Lehrling.

Die Verbindung mit Herrn Siemers dauerte nur bis zum 31.5. 1937. Andauernde Spannungen und Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Handelsgeschäft von Herrn Siemers und der Werkstatt von H. Otterbein führten letztendlich zur Aufgabe dieser Verbindung.

Am 1.6. 1937 wurde Hermann Otterbein sen. Teilhaber der Fa. Habrichs. Die Fa. Habrichs handelte mit Sperrholz, Nägeln, Schrauben, Farbe, Papier und Bastlerartikeln. Das Geschäft lief sehr gut zumal die damals aufkommende "Hitlerjugend" segelflugbesessen war. Es wurden hunderte Segelflugmodelle und Schiffsmodelle monatlich verkauft. Man kaufte Nägel, Schrauben, Sperrholz und Massivholz in großen Mengen und verkaufte sie in Kleinstmengen und in kleinen Abmessungen weiter. Wenn man so will ein kleiner Baumarkt. Hermann Otterbein richtete sich in Hinterräumen eine Werkstatt ein in der er kleinere Reparaturen durchführte aber auch Bastlerlehrgänge abhielt.

Der neue Firmenname lautete nun Habrichs & Otterbein, Handel mit Bastelbedarf, feine Tischlerarbeiten. Der Firmensitz : Wuppertal-Elberfeld, Schönegasse 5. Da der Mitinhaber, Herr Christian Habrichs mehrfach bei Unterschlagungen aus der Tageskasse erwischt wurde, trennte man sich am 31.12.1937.

Hof der Werkstadt KasinostraßeHermann Otterbein sen. mietete in Wuppertal-Elberfeld, in der Kasinostraße 24 Räume der Sattlerei Jansen an. Hier firmierte er seit dem 1.1. 1938 unter dem Namen Hermann Otterbein Kunsttischlerei und Antiquitäten.

Der Anfang war sehr dornig. Von der Tischlerei Quinkler, Herr Quinkler war verstorben, kaufte H. Otterbein die Werkstatteinrichtung. Vier Hobelbänke, eine größere Menge Profilhobel, Furnierböcke und Reste an Holz. Einige noch nicht fertiggestellte Aufträge der Fa. Quinkler durfte er fertig stellen. Ein Rundschreiben an die alte Kundschaft aus den Anfängen in Wuppertal-Elberfeld brachte den gewünschten Erfolg. Mit einem Gesellen und dem Lehrling aus der Siemerszeit lief es so langsam an.

Ein Großteil der Kundschaft aus dem Brillerviertel waren Juden. Seit dem 1. April 1933 setzte eine langsame Boykottierung der jüdischen Geschäfte und nach der sogenannten "Reichskristallnacht" vom 9.-11. November 1938, in der vielen jüdischen Familien Hab und Gut zertrümmert wurde, eine massive Judenverfolgung ein. Viele unserer jüdischen Kunden stellten Anträge auf Auswanderung.

Als Deutscher-Staatsbürger jüdischer Herkunft, durfte man nur eine Kiste in den Abmessungen 2m x 2m x 2m d.h. acht Kubikmeter mitnehmen. Nun war die Fa. Otterbein gefragt. Alles was sich irgendwie zerlegen und stapeln ließ wurde auseinandergenommen. Ganze Einrichtungen wurden so gerettet. Die Fa. Otterbein hatte Hochkonjunktur. Die Belegschaft war mittlerweile auf drei Gesellen angewachsen.

Seit dem 1. Januar 1939 wurde das jüdische Kapital eingefroren. Jede Rechnung die einem jüdischen Kunden ausgestellt wurde, musste bei der Stadtsparkasse Wuppertal eingereicht werden und wurde von dort auch bezahlt. Somit war man registriert. Hermann Otterbein sen. wurde eines Tages zur NSDAP ( National Sozialistische Deutsche Arbeiter Partei) Geschäftsstelle zitiert. Dort wurde ihm erklärt, dass ein Deutscher nicht für „Judenschweine „ arbeitet. Er arbeitete weiter für seine jüdische Kundschaft.

Im Herbst 1939 wurde Hermann Otterbein vorzeitig zu den Kölner Pionieren eingezogen und in Graudenz / Ostpreußen ausgebildet. Seine militärische Karriere endete mit der Beförderung zum Unteroffizier im März 1945, die Personalakte mit dem Vermerk „judenfreundlich", war wohl in den Wirren der Endzeit des Krieges verschwunden, so dass einer Beförderung nichts mehr im Wege stand. Hermann Otterbein wurde im Krieg mehrfach verwundet und mit einer 40 % Behinderung im Februar 1946 aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen.

Die bis Ende 1939 beschäftigten Gesellen erledigten die Restarbeiten. Der Altgeselle Herr Gerstung wurde zur Fa. Quante Dienstverpflichtet, die anderen Mitarbeiter zum Kriegsdienst eingezogen.