Nachricht aus dem Jahr 1761

Wie der Restaurator Daniel Otterbein in einem alten Sekretär auf ein Jahrhunderte altes Schriftstück stieß.

Von Valeska von Dolega

Sein Geld verdient Daniel Otterbein eigentlich als Tischler und Restaurator und nicht als Schatzheber. Aber weil ihm Kunden oft alte Schreibtische aus Zeiten, als es technische Finessen wie Tresore noch nicht an jeder Ecke zu kaufen gab, anvertrauen, birgt der Cronenberger aus so manchem Geheimfach Schätze.

"Als Restaurator hat man einen Blick für eventuelle Verstecke", sagt er. Ringe, Fotos, Ketten und Taschenuhren birgt er oft aus perfekt verborgenen Sekretärsecken. "Die Leute wussten vielleicht selbst nicht mehr, wo sie was versteckt hatten", so Otterbeins Vermutung. Sein neuster Fund sind vier mit schnörkeliger Schönschrift gefüllte Blätter.

Ein ganz normaler Auftrag und ein spannendes Geheimnis. Sie stammen aus einem ominösen Geheimkästchen, das sich in einem Sekretär anno 1740 versteckte. Als das hübsche Möbel Anfang Juni in der Tischlerei abgegeben wurde, war das für Chef Otterbein ein ganz normaler Auftrag. "Wir sollten ihn restaurieren", sagt der 33-Jährige. Also machte er sich mit seinem Kollegen Frank Pabst an die Arbeit.

Unter Säulen und Pilaster fiel dann ein kleines, quer laufendes Profil auf. "Das sah merkwürdig aus und irgendwie war mir auch die Funktion nicht klar." Also setzten die beiden Männer vorsichtig das Stecheisen an und entdeckten einen durch das Profil getarnten 250 Jahre unbenutzten Schiebemechanismus mit Geheimfach. Und darin ruhten, vom sprichwörtlichen Zahn der Zeit angenagt, die Schriftstücke. "Zunächst haben wir geglaubt, es handele sich um ein Testament", so Otterbein. Leicht zu lesen waren die Zeilen nicht. Nicht allein, weil sie an manchen Stellen löchrig sind und die schwungvolle Schrift zwar hübsch ausschaut, aber schwer entzifferbar ist. Der Verfasser, der an dem waschechten englischen Sekretär das mit 1761 datierte Dokument verfasste, war offensichtlich Brite. "Und das Englisch von damals ist anders als das von heute." Nach dem ersten Textstudium gehen Otterbein und Team davon aus, dass es sich um Reiseberichte handelt. "Da ist immerzu von Kutschfahrten die Rede."

Vielleicht sind es aber auch „Zeitdokumente, die sensationelle Geheimnisse auftun“, orakelt der Restaurator lachend. Während er nun lose Furniere leimt. Risse und Schaden flickt, Intarsien ergänzt und anschließend das alte Möbel mit Schellack lackiert, gehen die mysteriösen zeitgeschichtlichen Dokumente zum Papierrestaurator und Experten. Die anschließende Übersetzung lüftet dann das letzte Geheimnis: den Inhalt des vier Seiten langen Textes.


Die Übersetzung

Zusätze / Ergänzungen des Transkriptors in eckigen Klammern
ACHTUNG:
Mitte/Ende des 18. Jahrhunderts gab es in England keine geregelte Orthographie! Man schrieb wie man sprach und/oder hörte!!! (wie zu dieser Zeit in Deutschland auch). Auch blieb die Klein-und Großschreibung dem Schreiber überlassen. Ebenso hinsichtlich der Interpunktion bleibt es dem Leser überlassen, Satzenden und dementsprechend die -anfange aufzuspüren. Punkte über Buchstaben sind nicht zwangsläufig bewußt gesetzt, ggf. auch nur Tintenflecken oder Absetzer der Feder!

1.
Vertrag, vom 5. April 1771
Papier, 11,5 x 21 cm

Agread with Tho' Ewens of Bndport for My Son Will" Hunebun [Einschub: a Lad] to about
Four teen years old thad Shall Serve the Said Thos Ewens four Years & die Said Tho* Ewens IS to
pay My Son Will"1 2.6 p[er] Week for the t\vo ferst year & 3 Shillings for the third year & 3.6 for
the fourth year.
As Wi[t]ness [gestrichen: my] our Hands, this 5th day of April 1771
The Mark of
Will"1 Haniban X Sen[ior]
William Hanfiban]

Übereinkunft mit Thomas Ewens von Bridport für meinen Sohn William Hunebun [sh. unten:
Flaniban], ein Bursche von ungefähr 14 Jahren, der dem besagten Thomas Ewens vier Jahre lang
dienen soll. Und der besagte Thomas Ewens hat [dafür] an meinen Sohn William zu zahlen 2
Schilling 6 Pence pro Woche in den ersten beiden Jahren und 3 Schilling für das dritte Jahr und 3
Schilling 6 Pence für das vierte Jahr.
Zum Zeugnis unser Handzeichen, diesen 5. April 1771
X - Marke von William Haninban senfior]   [= d.h., ist Analphabet]
William Haniban [= der Sohn, kann schreiben]

Bridport - Dorset, UK, englische Südküste. Im in unmittelbar benachbarten Ort Allington ist für 1731 in den Heiratsunterlagen der Name Hunibun genannt
(littp://www.dorset-opc.com/Allmgton&Bridport/Allington/Allingtoni\larriages.htm). Der Name Hunibun (in diversen Schreibweisen) kommt gehäuft vor im nicht weit entfernt liegenden Liddington (Wiltshire, England).

2.
Quittung vom 28. September 1776
Papier, 10,5 x 16,5 cm

28th [gestrichen: 16* Fcbruary] September 1776
Received of W Hismal Ewens Six Pounds for a Year interest of Two Hundred Pounds
due 16th of Februar}' .... [place?] to .... [Hirn? / Hump] by    Esq.
on Mortgage byn John     [unleserlich]

Am 28. September 1776,
erhalten von W. Hismael Ewens, sechs Pfund als Jahreszins für eine Summe von 200 Pfund,
fällig am 16. Februar..........by ....... Wohlgeboren [Esquire]
als Hypothek/Grundpfandrecht durch John [unleserlich]

3.
Brief vom 22. Mai 1764
Papier, Folio, 31 x 25,5

Anschriftseite:
To Mr
John Dünn of Broad Wenser Neare Beamister Dorsett, These by the Wav of London

Rückseite:
Neuport Rhoad Island Newengland, May the 22, 1764
Honred father tliis coms witli my sentey to you & love to brothers & sesters. Hopen you hav in good helth as I and my wife and daughter Chaiiottey is at present. Thanks be to God for et & I am sorey to hear of my mothers death. I hard of et by Capt. Browns leter from is frends and ham sorey of Capt. Browns death. He deyed in Jemacker Jenen* the 18, 1764 and I whas with hem till he deyed and cold not heare who he loved [oder: leaved?] hes a fex [oder: fer?] with tlie Marchant in [??] Juniusp? oder Julius??] [eingeschoben, aber unleserlich: xna? ma?]. Mr jounson have got his ehest & all is books. And I shoold be glad t... [Papierschadenj ... om [oder: .. .oin] is frends & to heare lf he leaved aney will or pouer a tome for I thenk. All he had is lost. I hav going with capten Hoshear of P... [Parle?? Ortsname?] he has ... [Papierschaden] ... is ... and ... [we] hav going a Fishen Ishoo... [Papierschaden] ... [from [?] you lf Poisal[?? Pomal?] be Stephen Mishel d ... [Papierschaden] ... be rememberd to his frends & Joseph Syems and ... [Papierschaden] ... desired to be remembered to theare frends & he is going with mee a fishen and Stephen Mischel is Coming home lf you send to mee dey rect leving in Newport Rhoad Island and most pay the post to London and dey rect in die whay of New York or Boston. So no more at present from your dautfull [ggf. daatfull denitfull, demtfull] soon John Dünn. Plese to give my Service ??? [saoves??, seuves] to Mr Palmer & M'Bovent [Boient] and Mr Ewcns an all a Quantans ano[?? and??] Domney.
I desire you to send as soon as pocsable you can plese to remember me to my Cindsman [Lindsman?] at Bristole. I can not heare [feare??] of Mr Moreys Brother nor of the Millers Brothers I m Quierf??]. Where ever I gee so God be with you all. 

bereinigte Form

To Mr. John Dünn von Broadwindsor 

nahe Beaminster, Dorset,
das [oder: die beide] an der Straße nach London liegfen].


Newport Rhode Island Newengland, May the 22, 1764
Honored father, this comes with my sentey [??] to you and love to brothers and sisters. [I] Hope
you have [=are] in good health as I and my wife and daughter Charlotte is [=are] at present.
Thanks be to God for it; and I am sorry to hear of my mothers death. I hard of [=about] it by
Capt. Browns letter from his friends, and ham [= have; I am] sorry of Capt. Browns death. He
died in Jemacker, january the 18, 1764 and I was with mm till he died and could not here, who he
lived [oder: loved, leaved?], hes a fex [oder: fer?] with the metchant in [??] Junms[?? oder Julius??]
[eingeschoben, aber unleserlich: xna? ma?].
Mr Johnson have [= has oder had] got his ehest and all is [=his] books. And I should be glad t...

[Papierschaden] ... om [oder: .. .oin] is [= liis] friends and to hear if he lcavcd any will [ggf. im Sinne von Testament] or pouer a tome [ggf. "power of tomb", 1. S. von "Grabesrechte] for I thank. All he had is lost. I have going witli capten Hoshear of P... [Parle?? Ortsname?] hc has ... [Papierschaden] ... is ... and ... [we] have going a Fishen Ishoo... [??,,icehole fishing"??] ... [Papierschaden] ... from [?] you if Poisalf?? Pomal?] be Stephen Mishel d ... [Papierschaden] ... be remembered to bis friends and Joseph Syems and ... [Papierschaden] ... desired to be remembered to their friends and he is going with nie fishing and Stephen Mischel is coming home if you send to me direct leaving in Newport Rliode Island and must pay the post to London and direct in die way of New York or Boston. So no more at present from your doubtful [ggf. daatfull denitfull, demtfull] son John Dünn.
Please to give my service ??? [saoves??, scuves] to Mr Palmer and MrBovent [Boient] and Mr Ewens and all at Quantans ano[?? and??] Domney.
I desire you to send as soon as possible you can. Please to remember nie to my Cindsman [ggf. gemeint "kindsman" = Verwandte; oder Lindsman?] at Bristol. I can not hear of Mr Moreys Brother nor of the Millers Brothers I m Quier[queer ??]. W'herc ever I gee [??; go??] so God be  YOU all.

Newport, Rhode Island, New England, den 22. Mai 1776
Geehrter Vater, dieses kommt mit meinem ... für Dich; und Liebe für Brüder und Schwestern. Ich hoffe, Du bist bei so guter Gesundheit wie ich, meine Frau und meine Tochter Charlotte gegenwärtig sind. Dank sei Gott dafür. Und ich bin traurig von Mutters Tod zu hören. Ich hatte davon durch den Brief von Capt. Braun von seinen Freunden gehört. Und ich bin traurig über Capt. Brauns Tod. Er starb in ... am 18. Januar 1764 und ich war bei ihm bis er starb und konnte hier nicht, wo er lebte und ein ... mit dem Kaufmann in ... hatte... Mr. Johnson hat seine Kiste bekommen und alle seine Bücher und ich sollte froh sein ... seine Freund und zu hören, wenn er ein Testament oder ... [hinterlassen hätte], wofür ich dankbar bin.
Alles was er hatte, ist verloren. Ich bin mit Capt. Hoshear von/aus P. gegangen ... [ggf. irgendwas mit "Eislochfischen".] 

...

begehren bei ihren Freunden erinnert zu werden und er [Joseph Syems?] geht mit mir fischen. Stephen Mischel wir nach Hause kommen, wenn Du mir [eine Mitteilung] sendest, direkt abgehend nach Newport auf Rhode Island. Und Du mußt die Post nach London direkt bezahlen und für den direkten Weg über New York oder Bosten. Soweit für den Moment, von Deinem
zweifelnden[??] Sohn John Dünn.


Sei gebeten meine ... [ggf. im Sinne von "Aufwartung machen"??] gegenüber den Herren Palmer, Bovent und Ewens und allen zu Quantans[??] und Domney[?r],
Ich erwarte von Dir, daß Du es sobald als möglich schickst. Bitte empfehle mich meinen Verwandten [=kindsman] in Bristol. Daß ich nichts von Mr. Moreys Bruder noch von den Miller Brüdern erfahre, ist mir suspekt. Wohin ich auch immer gehe, Gott sei mit Euch allen!

Siehe:
http://\vavw.sti-eetiTiapxo.ukynewmap.srf?x=343500&v=l02500&z=5&sv=343500J02500&st=4&ar=Y&mapp= nevvmap.srf&searchp=ne\vsearch.sif&dn=701 &ax=343401 &av= 102640


NB.: laut 1G1 http://vv\vw.fami]ysearch.org/ena/Search/frameset_search.asp
wurde am 2.2.1746 in Broadwinter, Dorset. ein John Dünn geboren. Sohn von Samuel Dünn und Elizabeth Prest.
ggf. ein Verwandter?


4.
Brief vom 25. Mai 1765
Papier, Folio, 33 x 21 (ggf. beschnitten)   

Anschriftseite:
STEMPEL: Bristol
Thomas [?? sh. Schriftstück 1.] Ewens
In Bridport, Dorset
These by the way of Bristole

Newport, Rhoad Island, May the 25, 176? [1765]
Sir, I recivdp?] your leter the 28 of Jenen' [Fcbruary??] last 1765 and you write to me a bout[??, about??, bont??, boat??] your brother a Fairsp?, Pairs??] andih. ..[?? = and I had ??] ... talken wkh Mr }... the mart[??] and he told me that your brother was in IS det and he might well [oder: will??] bring h... [.. .Papierschäden...].  So ...[??] he has got all is [=hrs] B.. .[books??, Papierschäden]. et all is [= and all his] Chows [cows??] whas [=was] sold to a ... [.. .Papierschäden...] you wroughtp = wrote] to me to goe to )ery Brown ab... [??] is ehest birt ... [??] he dedfdid?] not
leave none leave forp?].
The chest that he leved be hind [behind] whas [was] with one ]ohn Peckem at is login and Mr Jounsoan reezied [reeeived?] the ehest [.. .Papierschäden...] hem [him??] and sold ... [.. .Papierschäden...] and Mr Brown an is [his??] son Jery hav [have??] botli d... [died??] and if th[ere??.. .Papierschäden...]  whas [was?] ever so much dew [??] you [.. .Papierschäden...] wold [would??] have one pony [?? penny??] [.. .Papierschäden...].
Ma... [.. .Papierschäden...] ... Th.. .som is not worth one halponey [halfpenny??] he is gon [gone] to Nothen [=Northern??] & cep No Bernes a tall wich [=which] I ham [=have] sory [sony] to see thengs [things] so & ...[.. .Papierschäden...] I had aney [-any] pour a Jan... et [gemeint: lat. "et"?? = and; ggf. = it??] shold [should] not ben...??
So I desire [??] you to remember mee [=me] to my frends [fnends] and ... [shold - should] be glad to heare [hear] from you aney üme.
So no more at present, from your humble sarvent [servent??] ]ohn Dünn of Broadwindsor.
Stephen Mishel desirs to be remembered to is [=his] frends [= fnends].

Newport, Rhode. Island, 25. Mai 1765
Sir, ich erhielt Ihren Brief vom 28. Januar des andauernden Jahres 1765 und Sie schrieben mir über Ihren Bruder ...  und ich habe mit Mr. J... [Johnson??] gesprochen ...   - Er sagte mir, daß
Ihr Bruder ins seinem ... war [oder: is dead = ist tot??] und er würde mir bringen ...
So ... hat er alle seine Bücher erhalten/übernommen und alle seine ... [??? ggf. Kühe???] wurden verkauft an einen ...
Sie schrieben mir, zu einem Jerry Brown zu gehen, ...
Die Kiste, die er hinterlassen hat [ weiter im Sinne von: ... gelangte über einen John Peckem an Mr. Johnson, der sie von ihm erhielt.]

... Sinn bleibt undeutlich, da zuviele Worte fehlen oder nicht mehr lesbar sind... (es scheinen Vater und Sohn Brown verblichen zu sein)

So wünsche ich von Euch mich meinen Freunden in Erinnerung zu bringen und bin froh, jederzeit von Ihnen zu hören.
Ansonsten gibt es im Moment nichts mehr zu berichten,
Ihr demütiger Diener John Dünn von Broadwindsor.

Stephen Mishel wünscht seinen Freunden in Erinnerung gebracht zu werden.