Historische Fenster und ihre Sicherung und Erhaltung

Häufig werden Fenster aufgrund blätternder Farbschichten für in Gänze defekt und komplett durchgefault erklärt. Dies führt dann sehr vorschnell zu dem Ergebnis, dass die Bestände komplett ausgetauscht werden sollen. Allerdings verliert das historische Gebäude auf diese Weise ein entscheidendes gestalterisches Element der Fassade, welches der Planer des Bauwerks sicherlich nicht rein willkürlich entworfen und gewählt hat.

Eine fachlich genauere Prüfung der Fensterelemente zeigt häufig schnell, dass sich die Holzsubstanz und Konstruktion in den meisten Fällen in einem erstaunlich guten Zustand befinden.

Wenn erkennbar ist, dass zahlreiche verdeckte Schäden unter dem vorhandenen Anstrich lauern, ist es zweckmäßig, zunächst diesen Anstrich vom Holz zu entfernen, um Art und Umfang der Schädigungen genau einschätzen zu können.

Beispielhaft sind hier mögliche Arbeitsschritte aufgeführt:

  • Konsolidieren der Konstruktion mit ggf. zusätzlichen Maßnahmen im Bereich der Statik
  • Abnahme sämtlicher Anstriche auf Rahmen, Wetterschenkeln und Beschlägen, nach Möglichkeit mit einer Heizlampe oder einer Heißluftpistole; Glas vor Hitze schützen, Verbrennen der Holzoberfläche vermeiden (die Wärme erweicht den Fensterkitt, somit ist ein sicherer Ausbau der Scheiben möglich)
  • Zerlegen der Elemente in konstruktive Einzelteile
  • Alle Dichtmassen (Acryl-, Silikondichtmasse, PU-Schaum etc.) müssen entfernt werden;
  • Ergänzen fehlender Teile und Partien im Holz in originaler Art und Struktur, unter Berücksichtigung der vorhandenen Profilierungen
  • Ausspanen von Rissen und Fugen über 2 mm Breite; Verleimungen mit geeigneten Leimen ausführen
  • Verleimen sämtlicher Brüche
  • Konsolidieren sämtlicher gelockerten Rahmenverbindungen
  • Ergänzen von durch Holzfäule geschädigten Partien und Bauteilen
  • Erneuern gelockerter bzw. quer gerissener Kittfasen; Kittfalz vor dem Verkitten mit Schelllack isolieren
  • Ergänzen fehlender bzw. stark beschädigter Beschläge
  • Korrekte Schließfunktion der Fenster ggf. wiederherstellen
  • ggf. neu verglasen.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Fenster, die in der Vergangenheit mit Leinölfarben gestrichen wurden, vergleichsweise geringe Schäden an der Holzsubstanz aufweisen. Im Gegensatz dazu hat so manches moderne Holzfenster mit aktuellen Beschichtungs- oder Anstrichsystemen nach einer Dekade bereits deutliche Fäulnisschäden. Ein Anstrich mit Leinölfarben, eine historische Technik, ist also auch heute noch empfehlenswert. Dabei muss auf die fachgerechte Verarbeitung des Materials geachtet werden.

  • Neue Holzteile und Ergänzungen mit Leinöl (natur) einlassen, Kanten (Querholz) mehrfach einlassen; Trocknungszeit eine Woche. Innen 2-facher, außen 3-facher dünner Anstrich der Holzteile mit Leinölfarbe; Temperatur und Trocknungszeit beachten